Rauchen und Gesundheit
(at) Das Rauchen schädigt beinahe jedes Organ im Körper, verursacht viele Krankheiten und verschlechtert den allgemeinen Gesundheitszustand. Ein Rauchstopp bringt bereits kurzfristig Vorteile, verkleinert die durch das Rauchen bedingten Gesundheitsrisiken und verbessert allgemein die Gesundheit. So lauten die beiden zentralen Schlussfolgerungen des neusten Berichts von 2004 über Rauchen und Gesundheit der Obersten US-Gesundheitsbehörde.
Ursache der Gesundheitsschäden
Ursache der durch das Rauchen verursachten Krankheiten ist der eingeatmete Tabakrauch. Dieser enthält tausende verschiedener Chemikalien, entweder als feste oder gasförmige Bestandteile. Zu den festen gehören unter anderem Nikotin und Teer, zu den gasförmigen das Kohlenmonoxid. Rund 60 feste und gasförmige Bestandteile sind krebserregend.
Eine Zigarette liefert zwei Arten von Tabakrauch. Vom brennenden Ende der Zigarette geht der Nebenstromrauch in die Umgebung ab und löst durch Passivrauchen Beschwerden aus. Vom Zigarettenende im Mund wird der Hauptstromrauch eingeatmet, dieser führt zu den durch aktives Rauchen bedingten Krankheiten. Neben- und Hauptstromrauch unterscheiden sich in der Zusammensetzung. Die Menge vieler Giftstoffe ist im Nebenstromrauch höher als im Hauptstromrauch.
Gesundheitsschäden
Die Giftstoffe des Hauptstromrauchs gelangen durch das Inhalieren über die Lunge ins Blut und von dort überall hin, wohin das Blut fliesst. So hinterlässt der Tabakrauch fast im ganzen Körper seine Spuren, vom Mund über Lunge und Herz bis zu den Ausscheidungsorganen.
In den letzten 40 Jahren ist die Liste der direkt durch das Rauchen bewirkten Krankheiten länger und länger geworden:
- 1964 hat die Oberste US-Gesundheitsbehörde in ihrem ersten Bericht über Rauchen und Gesundheit Kehlkopfkrebs, chronische Bronchitis und Lungenkrebs auf die Liste gesetzt.
- In den folgenden Jahren sind weitere Krankheiten hinzugekommen wie Krebs von Mund und Rachen, der Speiseröhre und der Blase, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Störungen in den Fortpflanzungsorganen von Frau und Mann.
- 2004 hat die US-Gesundheitsbehörde im ihrem neusten Bericht "Die Folgen des Rauchens für die Gesundheit" die Liste um neun weitere Krankheiten verlängert: Zahnfleischerkrankungen, grauer Star, Lungenentzündung, akute myeloische Leukämie, Schäden an der Hauptschlagader im Bauchbereich sowie Krebs des Gebärmutterhalses, der Nieren, der Bauchspeicheldrüse und des Magens.
Zugleich vermindert das Rauchen den allgemeinen Gesundheitszustand. Raucher und Raucherinnen fehlen häufiger und länger am Arbeitsplatz, beanspruchen öfter medizinische Dienste. Nach chirurgischen Eingriffen haben sie vermehrt Komplikationen wegen schlechter Wundheilung und Atembeschwerden. Wer raucht, erleidet häufiger Knochenbrüche. Auch weisen Raucherinnen nach den Wechseljahren eine geringere Knochendichte auf.
Tabakbedingte Sterblichkeit
In der Schweiz sterben jährlich mehr als 9'000 Personen an den Folgen des Tabakkonsums. Das sind jeden Tag mehr als 25 frühzeitige Todesfälle. Je 41 Prozent dieser tabakbedingten Todesfälle werden verursacht durch Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, 18 Prozent durch Atemwegskrankheiten. Die wichtigsten Einzeltodesursachen sind Lungenkrebs (27 Prozent), Krankheiten der Herzkranzgefässe (17 Prozent) und chronisch obstruktive Lugenerkrankungen COPD (15 Prozent).
Durchschnittlich sterben Erwachsene, die rauchen, 13 bis 14 Jahre früher als Menschen, die rauchfrei leben. Bei den Männern gehen 90 Prozent aller Lungenkrebstodesfälle, bei den Frauen 80 Prozent auf das Konto Rauchen. Wer raucht, hat ein bis zu 4-mal grösseres Risiko, an einer Herzkrankheit zu sterben.
Nikotin
Das Nikotin ist eine äusserst wirksame Droge, ähnlich wie Heroin und Kokain. Es erhöht den Herzschlag und den Blutdruck. Dadurch benötigt der Körper mehr Sauerstoff, Herz und Kreislauf werden langfristig stärker belastet.
Über den Hauptstromrauch strömen die Nikotinteilchen in die Lunge und von dort ins Blut. Sie überwinden die Blut-Hirn-Schranke und erreichen nach 9 bis 19 Sekunden (das heisst schneller als nach einer Spritze in eine Vene) das Gehirn. Hier belegen sie die "Parkplätze", die eigentlich für einen bestimmten Botenstoff reserviert sind. Nikotinteilchen können dessen "Parkplätze" besetzen, weil sie diesem Botenstoff sehr ähnlich sind.
Nach einem kräftigen Lungenzug werden diese "Parkplätze" mit Nikotin überschwemmt und schütten in der Folge verschiedene weitere Botenstoffe aus. Diese lösen die angenehmen Gefühle aus, auf die Raucherinnen oder Raucher sehnlichst warten: Konzentrationsfähigkeit und Entspannung, aber auch ein starkes Glücksgefühl.
Die Erinnerung an die positiven Gefühle nach dem Konsum einer Zigarette verankert sich im Langzeitgedächtnis. Sinkt im Blut der Nikotinspiegel, meldet sich ein starkes Verlangen nach Nikotin. Wird dieses nicht gestillt, tauchen bald Entzugserscheinungen auf wie depressive Verstimmung, Angst, Konzentrationsschwierigkeiten.
Dieser Suchtmechanismus kann sich schon bei Jugendlichen nach dem Ausprobieren einiger weniger Zigaretten einstellen. Die gängige Ansicht, die Nikotinabhängigkeit würde erst nach mehreren Jahren starken Tabakkonsums anfangen, ist falsch. Einzig die Zigarette ermöglicht, Nikotin in derart kurzer Zeit und in grösserer Menge aufzunehmen. Jeder Raucher und jede Raucherin verlangt nach einer individuellen Nikotinmenge und zieht solange an einer Zigarette, bis dieses Niveau erreicht ist.
Teer
Teer setzt sich zusammen aus vielen Chemikalien und ist ein Sammelbegriff für die festen Bestandteile des Hauptstromrauchs in flüssiger oder halbflüssiger Form. Durch das Inhalieren setzt sich der Teer in den Atemwegen und der Lunge fest. In der Lunge wechseln die Giftstoffe des Teers von der Atemluft in den Blutkreislauf. Sie ziehen durch den ganzen Körper eine "Dreckspur" und führen an ganz unterschiedlichen Stellen zu bösartigen Krebswucherungen. Ausserdem verfärbt der Teer Zähne und Finger der Raucher und Raucherinnen gelbbraun.
Kohlenmonoxid
Dieses geruchlose Atemgift entsteht bei der Verbrennung des Tabaks. In den feinen Lungenbläschen blockiert das Kohlenmonoxid die Bindung des Sauerstoffs an die roten Blutkörperchen, das Blut kann weniger Sauerstoff transportieren. Wer viel raucht, nimmt bis zu 15 Prozent weniger Sauerstoff auf. So sind Organe und Gewebe von Rauchern und Raucherinnen ständig unterversorgt mit Sauerstoff. Dieser ist für den Stoffwechsel unentbehrlich.
Teerarme Zigaretten
In Europa dürfen Zigaretten folgende Werte nicht überschreiten: Teergehalt 10 mg je Zigarette, Nikotingehalt 1,0 mg je Zigarette, Kohlenmonoxidgehalt 10 mg je Zigarette. Diese auf den Zigarettenpackungen aufgedruckten Mengen beruhen auf maschinellen Messungen.
Doch Menschen sind keine Maschinen. Nikotinabhängige Personen brauchen ihre tägliche Dosis Nikotin. Bei Zigaretten mit niedrigem Nikotingehalt greifen sie deshalb zu verschiedenen Tricks, um trotzdem auf die nötige Dosis zu kommen. So ziehen sie den Tabakrauch bis tief in die Lungenbläschen hinunter, halten ihn länger in der Lunge zurück, rauchen eine Zigarette ganz bis zum Filter. Auch bedecken sie mit den Fingern die Lüftungslöcher im Filter. Wegen dieser Tricks nehmen sie aber auch eine grössere Menge Teer und Kohlenmonoxid auf als auf der Packung angeführt.
Der Wechsel von Zigaretten mit hohem zu solchen mit niedrigem Nikotin- und Teergehalt bleibt deshalb ohne Vorteil für die Gesundheit.
- Wer von normalen zu teerarmen Zigaretten wechselt, hat ein unverändert hohes Lungenkrebsrisiko.
- Ebenso wenig verringert ein Wechsel das Risiko von Herzkrankheiten.
Die Zahlen auf den Zigarettenschachteln sind folglich irreführend. Denn die tatsächlich aufgenommenen Mengen an Nikotin, Teer und Kohlenmonoxid sind viel höher als auf den Packungen angegeben.
Rauchstopp
Ein Rauchstopp hat sowohl kurz- wie langfristige Vorteile für die Gesundheit:
- 20 Minuten nach der letzten Zigarette sinkt der erhöhte Herzschlag.
- 12 Stunden später erreicht das Kohlenmonoxid ein normales Niveau.
- 2 Wochen bis 3 Monate nach dem Rauchstopp beginnt das Herzinfarktrisiko zu fallen, die Lungenfunktionen erholen sich.
- 1 bis 9 Monate nach dem Stopp nehmen Raucherhusten und Atemnot ab.
- 1 Jahr nach dem Rauchstopp hat sich das Risiko einer Herz-Kreislauf-Krankheit halbiert.
- Nach 5 bis 15 Jahren ist das Risiko eines Hirnschlags auf das Niveau von nichtrauchenden Personen gesunken.
- Nach 10 Jahren ist das Risiko eines Todesfalls wegen Lungenkrebs nur noch halb so gross wie bei einem Raucher oder einer Raucherin. Das Risiko eines Krebses von Mund, Rachen, Speiseröhre, Blase, Niere und Bauchspeicheldrüse geht zurück.
- Nach 15 Jahren ist das Risiko einer Herz-Kreislauf-Krankheit auf dem Niveau von nichtrauchenden Personen angekommen.
Wie mit dem Rauchen aufhören?
Ziel Nichtrauchen
Passivrauchen
Unfreiwillig eingeatmeter Tabakrauch ist eine Mischung aus Nebenstromrauch von Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen und aus Hauptstromrauch aus den Lungen rauchender Personen. Wie beim aktiven gelangen auch beim passiven Rauchen die Gifte des Tabakrauchs über Lunge und Blutbahnen in den ganzen Körper.
Bei Erwachsenen, die nicht aktiv rauchen, verursacht Passivrauchen
- Lungenkrebs
- Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Hinzu kommen eine ganze Reihe von Atemwegserkrankungen. Erwachsene, die regelmässig über lange Zeit hinweg Tabakrauch einatmen müssen, haben
- 1,9-mal häufiger einen pfeifenden Atem
- 1,7-mal so oft Anzeichen einer chronischen Bronchitis und 1,6-mal Beschwerden einer akuten Bronchitis
- 1,5-mal öfter Atembeschwerden
- 1,4-mal häufiger ein ärztlich diagnostiziertes Asthma.
Als Vergleich dienen Menschen, die in einer rauchfreien Umgebung leben.
Bei Kindern steigt aufgrund des Passivrauchens das Risiko von Infektionen der unteren Atemwege wie Bronchitis oder Lungenentzündung, kommen vermehrt chronische Mittelohrbeschwerden vor, werden die oberen Atemwege gereizt und die Lungenfunktion eingeschränkt, verschlimmern sich Asthmabeschwerden und treten neue Fälle von Asthma auf.
Schwangerschaft
Zu jedem Zeitpunkt in der menschlichen Fortpflanzung verursacht das Rauchen Gesundheitsschäden. Raucherinnen mit Kinderwunsch haben grössere Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Ihr Risiko, unfruchtbar zu bleiben, ist erhöht.
Rauchen während der Schwangerschaft beeinträchtigt die Gesundheit von Mutter und Ungeborenem. Eine schwangere Raucherin erleidet 2-mal häufiger Komplikationen und hat eher eine Totgeburt oder eine Frühgeburt. Die Versorgung des Ungeborenen mit Sauerstoff ist eingegrenzt.
Kinder von Raucherinnen weisen oft schlechtere Lungenfunktionen sowie ein niedrigeres Geburtsgewicht auf. Dieses ist eine verbreitete Ursache für einen frühen Tod des Kindes. Zudem lässt das Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko eines plötzlichen Kindstodes ansteigen.
Das Risiko, ein Kind mit geringem Geburtsgewicht auf die Welt zu bringen, sinkt auf ein durchschnittliches Niveau, wenn eine Frau vor der Schwangerschaft oder während der ersten drei Monaten das Rauchen aufgibt.
Wie mit dem Rauchen aufhören?
Ziel Nichtrauchen
Sport
Sportlerinnen und Sportler, die nicht rauchen, nehmen mehr Sauerstoff auf. Sie haben einen längeren Atem, ermüden weniger rasch. Zudem haben sie in Ruhe einen tieferen Puls. Bei Ausdauersportarten wie Laufen, Schwimmen oder Velofahren wirkt sich dieser Vorteil besonders deutlich aus.
Rauchen hingegen bewirkt einen Leistungsabfall. Dies bestätigten Messungen beim 12-Minuten-Lauf an Rekrutenaushebungen. Die Nichtraucher unter den 19-jährigen Männern erreichten durchschnittlich 2613 Meter.
Die Raucher kamen, abhängig von der Anzahl täglich konsumierter Zigaretten, weniger weit:
- leichte Raucher (bis 10 Zigaretten/Tag) durchschnittlich 95 Meter,
- mittlere Raucher (10-20 Zigaretten/Tag) durchschnittlich 242 Meter,
- schwere Raucher (über 20 Zigaretten/Tag) durchschnittlich 360 Meter weniger weit.
Der Leistungsabfall hing zudem ab von der Dauer der Raucherkarriere. Am schlechtesten schnitten die schweren Raucher ab, die schon mehr als vier Jahre geraucht hatten. Diese blieben 425 Meter hinter den Nichtrauchern zurück.
Auch Messungen bei einem 16-Kilometer-Volkslauf ergaben eine niedrigere Leistung der Raucher. Sogar wenn alle Teilnehmer in bezug auf Trainingszustand, Körpergewicht und Alter unter denselben Voraussetzungen gestartet wären, benötigten die Raucher pro 4 Zigaretten, die sie täglich konsumierten, eine Minute mehr für den Volkslauf.
Quellen
U.S. Department of Health and Human Services. The Health Consequences of Smoking: A Report of the Surgeon General. U.S. Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion, Office on Smoking and Health, 2004
www.hhs.gov/surgeongeneral/library/smokingconsequences.
Action on Smoking and Health, factsheet no:12 What's in a cigarette - August 2001
www.ash.org.uk/html/factsheets/html/fact12.html.
Jacques Le Houezec, Pharmacologie de la nicotine et dépendance au tabac, in: Médecine & Hygiène No 2452 1.10.2003
www.medhyg.ch.
P. Leuenberger et al., Passive Smoking Exposure in Adults and Chronic Respiratory Symptoms (SAPALDIA Study), in: American Journal of Respiratory and Critical Care Medicine 1994; 150: 1221-1228
www.ajrccm.org.
Bernard Marti et al., Smoking, Alcohol Consumption, and Endurance Capacity: An Analysis of 6'500 19-Year-Old Conscripts and 4'100 Joggers, in: Preventive Medicine 1988; 17: 79-92.
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